Die Kurzversion:

Wir sind eine Gruppe von z.Zt. 12 Leuten, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Veganladen in kollektiver Selbstverwaltung zu betreiben.

Kollektive Selbsverwaltung heißt für uns zum einen, dass wir bewusst auf formelle Hierarchien verzichten (keine Chefs, keine Angestellten bzw. Aushilfen) und wir alle für den gleichen Lohn arbeiten. Zum anderen betrachten wir den Laden nicht als unser Eigentum. Wir sehen uns eher als Verwalter_innen des Ladens - als Teil der veganen Community Berlins.

Daher verfolgen wir zwei Ziele: neben der Schaffung von selbstverwalteten Arbeitsplätzen für die Mitglieder des Kollektivs wollen wir ein vielfältiges Angebot an veganen Lebensmitteln anbieten - und das zu fairen Preisen.

Dass das nicht immer einfach wird, ist uns bewusst. Dennoch wollen wirs nicht unversucht lassen.

So weit so gut. Wir freuen uns, Euch im Veganladen begrüßen zu dürfen.

Euer Veganladenkollektiv

 

Die etwas längere Version:

Der Laden ...

Das Dr. Pogo Veganladenkollektiv betreibt seit Januar 2013 einen selbstverwalteten Laden, in dem es fast alles gibt, was Veganer_innen benötigen oder schwer bekommen können.

Der Laden bietet auf 90m² Verkaufsfläche mehr als 2.000 vegane Lebensmittel, Kosmetika, Tiernahrung, Haushaltsmittel, Bücher, Infos, Accessoires und Süßigkeiten an – in einer Atmosphäre, in der sich Kund_innen und Kollektivist@s gleichermaßen wohlfühlen, ohne allzu sehr im Beat der Alltagsmaschine zu rotieren.



Das Kollektiv ...

hat sich gegründet, nachdem der alte Berliner Veganladen „Veni, Vidi, Vegi“ dicht gemacht und eine Lücke in der Landschaft hinterlassen hat.

Schnell war uns klar, dass für dieses Vorhaben nur ein Kollektiv als Form in Frage kommt.In der ca. 1 ¹/² jährigen Gründungsphase ging es daher immer auch um eine solide kollektive Organisationsform und entsprechende Strukturen, möglichst ohne formelle Hierarchien. Unterstützt wurden wir dabei durch die AGBeratung. Unser Binnenvertrag wurde auf der Grundlage desPositionspapiers für Kollektivbetriebe“ der FAU Hamburg erstellt.



Basisdemokratie und Selbstbestimmung heißt bei uns

  • Wir haben ein regelmäßiges Plenum, in dem die wichtigsten alltäglichen Neuigkeiten und Befindlichkeiten ausgetauscht und Entscheidungen per Konsensprinzip getroffen (oder vertagt) werden – Mehrheitsentscheidungen und Veto sind seltenes und letztes Mittel. Grundsatzdiskussionen, Konflikte und Utopien besprechen wir in regelmäßigen Kollektivtagen oder -ausflügen. Dort überprüfen wir unsere Utopien und unsere Praxis mit den Widersprüchlichkeiten des Richtigen im Falschen.

  • Ladenschichten, Selbstverwaltungstätigkeiten und andere Tätigkeiten erledigen wir selbst, unter Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse. Zentrale Aufgabenbereiche sind in AGs ausgelagert, die mittel- bis langfristig rotieren, um Wissenshierarchien zu vermeiden.
    Generell versuchen wir, ein Gleichgewicht zwischen Gruppenentscheidung und selbstverantwortlicher Autonomie zu halten und haben Instrumente, mit daraus entstehenden Konflikten umzugehen, damit wir auch im Ladenalltag handlungsfähig bleiben.


Löhne und Gewinne

  • In der Anfangszeit übten wir Lohnverzicht und starteten zur Ladeneröffnung mit niedrigem Einheitslohn, der seither per Plenumsbeschluss kontinuierlich erhöht wurde. Grundsätzlich bezahlen wir nach Einheitsstundenlohn, haben aber auch einzelne bedarfsorientierte Ausgleichskomponenten

  • Unsere Löhne verstehen wir als Kosten wie andere Ausgaben auch und wir streben den branchenüblichen Tariflohn an statt eines dauerhaften Ausnahmezustandes im Sinne einer marktgerechten Selbstausbeutung.

  • Lohnabhängige Beschäftigung wird es bei uns nicht geben bzw. ist nur bei Engpässen möglich und dabei klar geregelten Bedingungen der externen Kontrolle durch die FAU unterworfen.

  • Wir betrachten uns nicht als Eigentümer_innen sondern als Betreiber_innen des Ladens. So gibt es keine private Gewinnausschüttung oder Privatisierung der Produktionsmittel. Im Falle einer Auflösung sind Ausschüttungen für Nachfolgekollektive oder gemeinnützige Projekte vorgesehen und bedürfen der Zustimmung durch die AGBeratung als externes Kontrollgremium.

  • Betriebliche jährliche Überschüsse sind also von Privatisierung ausgeschlossen, und werden für Rücklagen, Investitionen, angemessene Löhne oder den Aufbau solidarischer Wirtschaftsstrukturen verwendet.



Gesellschaftlich nützliche Produkte

  • Zweites Gründungsmotiv, neben sicheren und selbstbestimmten Arbeitsplätzen, war, möglichst widerspruchsfreie und gesellschaftlich sinnvolle Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Gemeinsamer Bezugspunkt war daher immer auch der Veganismus mit seinen unterschiedlichen Facetten und Herangehensweisen, die sich im Kollektiv widerspiegeln. Uns eint die Ansicht, dass die Hierarchie von Mensch-Tier- und Mensch-Umwelt-Verhältnissen, sowie der zugrundeliegenden kapitalistischen Zurichtung, verheerende Auswirkungen auf Menschen, andere Tiere, Klima und Umwelt hat, und wir daran möglichst wenig teilhaben wollen.
    Trotzdem glauben wir nicht daran, dass Veganismus und korrekter Konsum die Universalantwort liefern und wollen eine Offenheit für unterschiedliche Bezüge und Lebensentwürfe bewahren. Die Widersprüche bleibenund wir sagen hallo.

  • Bei unseren Produkten achten wir darauf, dass alles vegan (also frei von jeglichen „Tierprodukten“) ist. Außerdem sind ökologische Kriterien (auch wenn nicht alle unsere Produkte biozertifiziert sind), die Produktionsbedingungen, sowie faire Preise für Produzent_innen, uns und unseren Kund_innen wichtig. Um das Netzwerk solidarischer Ökonomie zu stärken, bevorzugen wir im Sortiment Angebote, die aus Kollektiven, Kooperativen oder „kleinen geilen Firmen“ kommen.

  • Für einige Grundnahrungsmittel, die wir auch ökologisch und gesundheitlich für sinnvoll erachten, bieten wir mit einer Kund_innenkarte geringere Preise an. Dabei handelt es sich um über 100 verschiedene verpackungsfreie, rohe oder frische Produkte wie Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenfrüchte, Müsli, Tees, Pasta und Sojaproteinerzeugnisse.

  • Bei der Produktauswahl wägen wir immer zwischen Konsument_innenwünschen und Sinnhaftigkeit nach ökologischen, ethischen und preislichen Gesichtspunkten ab - nicht jedes Produkt, das sich verkaufen lässt, nehmen wir rein und nicht jeden Ladenhüter nehmen wir raus. So verändert sich unser Angebot laufend und es gibt immer wieder Neues zu entdecken.

  • Neben dem Laden als Wirtschaftsbetrieb hat unser Verein Vegane Pampe e. V. den Zweck der Förderung von veganen Lebensweisen. Wir unterstützen Kampagnen, Projekte und Veranstaltungen zu Veganismus und anderen emanzipatorischen Themen oder führen sie selbst durch – z.B. Küfas (Küche für Alle), Tierrechtskampagnen, Soligelder, Infrastruktursupport, etc. Sobald wir finanziell stabiler geworden sind, planen wir unsere Ressourcen stärker in den Aufbau solidarischer Strukturen (wie z.B. dem Netzwerk Berliner Kollektivbetriebe oder der Union Coop Föderation - Gewerkschaftlich Organisierter KollektivBetriebe) einzubringen.

 

Transparenz

  • Innerbetriebliche Transparenz ist ein essentieller Bestandteil unserer Kollektivstrukturen. Auch in Kollektivbetrieben gibt es Arbeitsteilungen und Spezialisierungen. Damit dies nicht zu Wissenshierarchien oder Abhängigkeiten führt, arbeiten wir kontinuierlich an transparenten Strukturen. So führen wir Dokumentationen, Anleitungen und regelmäßige Rechenschaften. Für neue Kollektivist@s haben wir ein Pat_innensystem und zur Vermeidung von Wissenshierarchien führen wir Mehrfachbesetzungen und Rotationen bei den wichtigsten Aufgaben durch. Letztendlich soll für jede_n auch die Möglichkeit auf Urlaub und Auszeiten bestehen.

  • Wir sind bemüht für eine außerbetriebliche Transparenz (bei Wahrung sensibler Informationen) zu sorgen. So stellen wir Produktinformationen (Herkunft, Qualität, Herstellungsbedingungen, etc.) bereit, geben Auskunft über innerbetriebliche Strukturen und beraten andere Kollektive. Insbesondere werben wir für unser Selbstverständnis und solidarische Ökonomie im Allgemeinen.

 

Kooperation statt Konkurrenz

  • In der sogenannten freien Marktwirtschaft ist Konkurrenz der Motor, dem sich alle stellen müssen. Jedoch ist Konkurrenz immer auch ein Verhältnis, in das mensch sich setzt oder nicht. Genau genommen waren wir bis 2015 der einzige selbstverwaltete Veganladen weit und breit. Wir sind in stetem Kontakt mit ähnlichen Betrieben (insbesondere Kollektive) und und kooperieren miteinander oder unterstützen ähnliche Initiativen in Berlin und an anderen Orten. So haben sich seit unserer Gründung schon mehrere Initiativen an uns gewandt, die wir nach unseren Möglichkeiten mit Rat und Strukturen unterstützen. Dabei setzen wir uns vor allem für die Gründung weiterer Kollektive ein, die in Zukunft Teil einer breiteren Föderation sein könnten.



Seit der Gründung hat sich bereits viel getan und entwickelt. Der Weg ist nicht immer einfach, aber spannend. Wir begegnen vielen Widersprüchen, die wir versuchen aufzulösen, zu umschiffen, wegzuinterpretieren oder in Kollektivprozessen produktiv zu nutzen – aber alles bedeutet Zeit und Aufwand, der sich lohnt. Alles andere ist alternativlos!

Falls das eurer Interesse geweckt hat oder ihr Fragen habt - vielleicht sogar selbst einen Kollektivbetrieb gründen wollt - dann könnt ihr uns gerne ansprechen!